Was mache ich hier eigentlich so genau?!

Da ich aus Krankheitsgründen die ganze Woche nicht arbeiten war dachte ich, ich beschäftige mich trotzdem mit der Arbeit und widme ihr einen ganzen Bericht. Was mache ich hier eigentlich so genau?!

Ich arbeite in einem der Care Centren der Cape Mental Health Society, dem Erika Center in Mitchells Plain. In unserem Center verbringen 33 Kinder den Vormittag und werden von den Mitarbeiterinnen und meiner Projektpartnerin Steffi und mir versorgt. Wir haben tatsächlich nur einen Mann im Team und das ist Denzil, unser Fahrer. Hm klingt ja erstmal ähnlich wie in Deutschland, da ist die Männerrate in Einrichtungen der Behindertenhilfe auch eher gering.

Die Kinder werden mit dem eigenen Minibustaxi von Zuhause abgeholt und zum Care Center gebracht. Dies geschieht in zwei „Trips“. Wenn ich um neun Uhr zur Arbeit komme sind die Kinder des First Trip schon da und gegen halb zehn erreicht auch der Second Trip die Einrichtung. Der Bus wird wie schon erwähnt von Denzil gefahren und von einer der Care-workerinnen im Wechsel begleitet. Die Kinder werden aus dem Bus in ihre Buggys oder Rollstühle gehoben, zwar steht auf jedem Buggy der Name des zugehörigen Kindes aber wenn man die Namen der Kinder noch nicht kann steht man erstmal verwirrt herum. Aber unsere Kolleginnen haben Steffi und mich zu Beginn immer sehr aufmerksam zum richtigen Buggy gelotst und mittlerweile klappt das schon viel besser.

Nachdem die Kinder in ihren Gruppen sind, wird als erstes der Morning Ring gemacht. Dabei wird jedes Kind einzeln begrüßt, es wird geschaut welcher Tag ist, wie das Wetter draußen ist und wir singen viele verschiedene Lieder. Quasi das Begrüßungsritual und mit die größte Herausforderung für mich. Singen würde ich nicht zu meinen persönlichen Stärken zählen, aber hilft ja nix da muss ich durch und ich werde mich dran gewöhnen. Oder wie meine Chefin, auf meine Aussage, dass ich echt nicht gerne singe, meinte: „Kathi you will get used to it and after the year you will think about a carrer as a famous singer. But thank you for the information you will be the first one who will sing at our karaoke benefit event.” Ja danke Faith genau das wollte ich unbedingt erreichen. Aber wer vorab schon mal ein Autogramm haben möchte kann sich gerne melden, vielleicht wird das ja doch was!

Nach dem Morning Ring werden dann mit den Kids verschiedene Angebote gemacht. Von Vorlesen und Singen (Ja noch mehr singen..) über Spazierengehen und Bewegungsübungen bis hin zu sensorischen Spielen mit Sand, Wasser, Knete, etc. Da einige Kinder per Sonde ernährt werden wird das auch teilweise nach dem Morning Ring gemacht. Gegen viertel vor elf bereiten wir dann die Snacks vor, da um elf Uhr „Feeding Time“ ist und die Kids dann etwas zu essen bekommen. Nach dem Essen ist dann Windeln wechseln an der Reihe. Fast jedes Kind im Care Center trägt Windeln und dementsprechend lange kann das dauern. Dafür heben wir die Kinder wieder aus ihren Buggys und legen sie auf den Wickeltisch. Ganz schön viel Gehebe den ganzen Tag aber einen Lifter oder ähnliches gibt es leider nicht. Um viertel vor eins werden dann die Kinder vom First Trip in den Bus gesetzt und es geht für sie schon wieder nach Hause. Hier endet dann auch mein Arbeitstag. Der Second Trip wird gegen zwei Uhr nach Hause gebracht. Klingt alles erstmal ziemlich strukturiert und durchgeplant und das ist es eigentlich auch. Wir arbeiten aber immer noch mit Kindern und Jugendlichen mit verschiedensten Behinderungen und die halten häufig nicht allzu viel von der eigentlichen Planung, sodass kein Tag wie der andere ist und es manchmal ein ganz schönes Durcheinander gibt. Generell ist es auch häufig sehr laut, da es viele Kinder auf sehr beengtem Raum sind und einige doch ganz gerne auch mal schreien, lachen oder auch mal kreischen. Ruhig und entspannt ist es selten, daher bin ich auch tatsächlich ganz froh, dass meine Arbeitszeiten vergleichsweise kurz sind (von neun bis dreizehn Uhr).

Zwischen dem ganzen Betreuen und Füttern und Windel wechseln fallen noch andere verschiedene Aufgaben an. Zum Beispiel wird jeden Tag eine Anwesenheitsliste ausgefüllt für die Steffi und ich im Wechsel verantwortlich sind, einige Kinder lernen auf die Toilette zu gehen und müssen dabei stündlich begleitet werden und ein bisschen Haushalt (Spülen, Fegen) fällt natürlich auch an. Wir haben auch eine Hauswirtschaftskraft aber sie kommt nicht jeden Tag und ich habe bis jetzt auch noch keinen Rhythmus erkennen können, an welchen Tagen sie kommt.

Ansonsten ist bei uns auch immer recht viel los. Ehemalige Mitarbeiter oder Nachbarn schneien ganz gerne vorbei, um hallo zu sagen. Dora zum Beispiel ist eine sehr nette ältere Dame aus der Nachbarschaft, die uns Freiwilligen schon manchmal was zu essen vorbei gebracht hat. Und dann gibt es noch Oswald, wie ich verstanden habe auch ein ehemaliger Mitarbeiter und auch schon etwas betagter. Er hat uns letztens recht viele Früchte mitgebracht und wir wurden freundlich aber bestimmt dazu aufgefordert doch welche mitzunehmen. Generell sind Steffi und Ich sehr herzlich und offen empfangen worden. Unsere Kolleginnen sind teilweise ein bisschen Ersatzmutti und achten sehr darauf, dass wir uns wohl fühlen. Ab und zu gibt es noch ein paar Verständigungsprobleme aber im Großen und Ganzen ist es gar nicht so schwer sich auf Englisch zu unterhalten, nur ihr schnelles Afrikaans ist nicht zu verstehen. Es gab bis jetzt noch keinen Tag an dem schlechte Laune versprüht wurde und es ist an der Tagesordnung zu scherzen und zu lachen. Es herrscht also insgesamt eine sehr fröhliche und gelöste Atmosphäre.

Ich hatte anfangs erwähnt, dass die ersten Tage für mich sehr schwer waren und ich die Arbeit hier ununterbrochen mit der mir bekannten in Deutschland vergleiche. Meine Gedanken kreisen immer noch häufig darum, wie viel anstrengender die Arbeit mit Menschen mit Behinderung hier in Südafrika und auch generell in Länder ist, in denen es keine Krankenkasse gibt, die den neuen Rollstuhl für einen fünfstelligen Betrag oder die Reparatur der Fernbedienung des Lifters bezahlt. Mein Respekt für unsere Kolleginnen wächst von Tag zu Tag mehr weil sie echt für einen Hungerlohn jeden Tag ins Center kommen und sich so liebevoll um unsere Kids kümmern. Ich habe meine Vorstellungen und Ziele von der Arbeit hier mittlerweile weit über Bord geworfen und versuche nun die anfängliche Schockstarre in den puren aber sinnvollen und realistischen Aktionismus umzuwandeln. Ich fühle mich auf jeden Fall sehr wohl im Erika- Center und bin mir sicher, dass die verbleibenden elf Monate viel Freude, Schweiß und Durcheinander mit sich bringen werden.

Fühlt euch geherzt,

Kathi

 


3 Gedanken zu “Was mache ich hier eigentlich so genau?!

  1. Liebe Kathi,
    Respekt, Du machst einen guten Job!!
    Wir denken häufig an Dich und grüßen Dich ganz lieb aus Bremen.

    Manfred und Annette

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  2. Kathi, du bist eine Tolle!!!!! Aus Respekt für die Gastgeber über den eigenen Schatten springen, bemerkenswert. Ich wünsche dir gute Besserung und eine schöne Restzeit!!!!!
    LG Annette

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