Vegetarisch, vegan, was auch immer.

Eine Tatsache, die ich in Kapstadt gelernt habe: Hähnchen ist kein Fleisch, sondern Grundnahrungsmittel, quasi Gemüse. Dass ich kein Fleisch esse bedeutet, dass ich trotzdem Hähnchen und Fisch esse- oder?! Für viele meiner Arbeitskolleginnen eine Sache, die ich etliche Male erklären durfte. Nein, ich esse auch kein Hähnchen und kein Fisch und Ja, ich ernähre mich hauptsächlich von Gemüse. Davon werde ich tatsächlich satt. Meine Entscheidung, auf diese Lebensmittel zu verzichten wird von meinen Arbeitskolleginnen definitiv respektiert, wenn sie es auch nicht wirklich nachvollziehen können. Bei den Preisen hier für Fleisch kann ich es sehr gut nachvollziehen, da es häufig günstiger ist als etliche Gemüsesorten und weil Fleisch nun mal wirklich lecker ist. Ich habe mich nicht aus geschmacklichen Gründen dafür entschieden darauf zu verzichten, sondern aus ethischen und vielleicht naiven „Weltverbesserergedanken“.

In der Stadt gibt es zuhauf Restaurants und Kneipen, die vegetarische und vegane Speisen anbieten. In den Townships sieht die Sache etwas anders aus. Dort wird man zunächst etwas schräg angeschaut, wenn man das Essen dankend ablehnt, weil man kein Fleisch isst. Ich fühle mich häufig sehr undankbar, wenn ich Essen ablehne das mir angeboten wird, weil es Fleisch enthält. Was mich zu der Entscheidung geführt hat, so manches Mal eine Ausnahme zu machen.

Zum Beispiel als wir im Urlaub an der West Coast in Springbok diese unfassbar herzliche Familie aus Namibia kennen gelernt haben und die uns, nur weil wir ein wenig ihre Kinder entertaint haben, zum Braai eingeladen hatten. Mit viel Wein, noch mehr Zigaretten und einem gut gegrillten Steak hatten wir meiner Meinung nach den schönsten Abend unseres Urlaubes. Oder als bei uns im Center den ganzen Tag eine Suppe geköchelt wurde und ich meine Kolleginnen (die wie erwähnt verstehen, dass ich kein Fleisch esse) nicht vor den Kopf stoßen wollte. Ich bin kein „Hardcore- Vegetarier“ und bin die erste, die einer „Warum isst du kein Fleisch“- Konversation auf einer Party genervt den Rücken zudreht. Ich bin damit okay, dass ich seitdem ich hier bin, zu gewissen Anlässen Fleisch gegessen habe.

An die merkwürdigen Blicke, wenn ich zum Braai mein in Alufolie eingewickeltes Gemüse mitbringe habe ich mich mittlerweile gewöhnt und akzeptiert, dass es erst als allerletztes auf den Grill darf weil das Fleisch Vorrang hat. Den Unterschied zwischen Vegetariern und Veganern kennen viele nicht und denken ich würde auch keine Eier oder keinen Käse essen. Mit meiner engelhaften Geduld erkläre ich die wesentlichen Unterschiede und weise deutlich darauf hin, dass Käse ungefähr das Beste ist, was man zu sich nehmen kann (Leider ist die Käseauswahl hier äußerst begrenzt und ich freue mich tierisch auf meinen Käsestand auf dem Münsteraner Wochenmarkt).

Kurz und gut: Mein Essverhalten beschäftigt mich hier ständig aber ich habe einen Weg gefunden, mit dem ich äußerst zufrieden bin und mit dem ich andere nicht vor den Kopf stoße. Die Blicke meiner Arbeitskolleginnen als ich meinte ich würde eine Ausnahme machen und die Suppe sehr gerne essen waren unbezahlbar. Und eins kann ich mit Sicherheit sagen: Eine der besten Suppen überhaupt probiert zu haben!

Fühl euch geherzt,

Kathi

 

PS: Vielleicht sollte ich noch kurz erklären, was genau ein Braai ist. Einfach gesagt, die Südafrikanische Form vom Grillen. Es gibt jedoch eine bestimmte Sache zu beachten: Es wird nicht eher gegessen, bis alles gegrillt wurde und das kann schon mal recht lange dauern. Eine Sache die ich also nach der ersten Einladung zum Braai gelernt habe: Niemals, wirklich niemals hungrig zu einem Braai kommen! Eine Sache, die meine Freunde nach meiner ersten Einladung zum Braai gelernt haben: Ich bin unausstehlich wenn ich hungrig bin!


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