Zurück kommen.

Seit circa vier Wochen schiebe ich meinen „Rückkehr“ Blogartikel immer weiter nach hinten. Mittlerweile wäre die Zeit dafür definitiv da, aber ich habe eigentlich kaum Lust noch etwas darüber zu schreiben, wie ich mein „Zurück kommen“ empfunden habe. Denn mit diesem Artikel werde ich meinen Blog endgültig beenden. Mein Jahr ist vorbei. So ganz möchte ich das eigentlich noch nicht wahrhaben.

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Der letzte Tag in Kapstadt ist mir noch sehr gut in Erinnerung. Die Sonne lässt sich nach Wochen mal wieder richtig blicken und verabschiedet sich standesgemäß. Freunde kommen vorbei, wir Frühstücken und gehen dann aus Langeweile und Wermut noch ein letztes Black Label im Hello Sailor trinken. Auf dem Weg dorthin grüßt man hier und dort und sagt schon dem ein oder anderen auf Wiedersehen. Tränen werden zurück gehalten, der Koffer am Flughafen nochmal umgepackt weil er einen Kilo zu schwer ist (in den unpassendsten Situationen sind Südafrikaner echt zu genau) und im Kopf schwirrt die Frage, wie es sein wird, wieder Zuhause zu sein. Ich hatte keine Angst mich nicht wieder eingewöhnen zu können, bin ich doch 23 Jahre in Deutschland aufgewachsen und sozialisiert. Da ist ein Jahr Südafrika nicht genug, um mich nicht mehr zurecht finden zu lassen. 18 Stunden später lande ich schon in Düsseldorf. Beim Anblick meiner Eltern und meiner Schwester wird mir deutlich bewusst, wie sehr ich sie doch über das Jahr vermisst habe und wie froh ich bin, eine Familie zu haben, die mich so sehr unterstützt hat, wie es nur eine Familie leisten kann. In jeglicher Hinsicht.

Die ersten beiden Wochen verbringe ich zwischen Umzugskartons und Chaos, hetze von einem Treffen zum Nächsten weil ich alle meine Freunde auf einmal wieder sehen möchte und verbringe einen ziemlich großen Teil auf der Autobahn nach Dresden, um mir meine neue WG anzuschauen. Kaum bin ich wieder da, wartet schon das nächste Abenteuer auf mich. Dresden, tiefster Osten, also wieder weit weg von meiner Familie. Mein Vater jedoch mit dem passenden Zitat: „Ach immerhin nur 600 Kilometer und keine 10.000; das geht doch noch“. Ich fühle mich furchtbar hin und her gerissen, kann das Jahr gar nicht wirklich verarbeiten, weil es direkt weiter geht und irgendwie habe ich das Gefühl es interessiert auch eigentlich niemanden, wie mein Jahr so war. Kein Vorwurf an dieser Stelle, es ist glaube ich für jeden einfach schwer nachzuvollziehen von was ich da eigentlich so erzähle. Einerseits bin ich ganz froh, dass nicht jeder fragt „Und, wie war es so?!“ und dass sich zwischen mir und meinen Freunden nichts verändert hat. Andererseits fehlt mir jemand, mit dem ich über mein Jahr reden kann, der mich versteht und weiß, was ich erlebt habe. Ich habe das Gefühl mein Jahr liegt schon meilenweit zurück und ich versuche momentan den Spagat zwischen Festhalten an den Erinnerungen und dem Hier und Jetzt, Der Uni und den neuen Bekanntschaften, hinzubekommen. Zuweilen überkommt es mich und ich beschalle mich mit Jeremy Loops & Trevor Noah, schwelge alleine in Erinnerungen, schreibe allen meinen Freunden, wie sehr ich sie vermisse und werde ganz schön wehmütig. Umso schöner war der Besuch von zwei Mitfreiwilligen dieses Wochenende. Endlich jemand der mich versteht und der genau dasselbe empfindet wie ich. Spontan werden Urlaubspläne für März gemacht und wir schauen nach Flügen Richtung Kapstadt. Wir schwelgen in Erinnerungen, schauen uns Fotos an und nicht selten fällt der Satz „Wisst ihr noch..?!“. Zu wissen, dass es nicht nur mir so geht hilft mir mich zu ordnen. Ein Wochenende, wie ich es gebraucht habe!

Zurückkommen ist doch gar nicht so leicht, wie ich mir das vorgestellt habe. Klar, an Deutschland und die hier herrschenden Strukturen gewöhnt man sich sehr schnell wieder. Das ungute Gefühl, wenn ich nachts alleine nach Hause fahre habe ich schon fast wieder abgelegt und ich warte im Supermarkt auch nicht darauf, dass mir jemand meine Einkäufe einpackt. Auch emotional werde ich bald wieder angekommen sein, es dauert nur noch ein kleines bisschen.

An dieser Stelle nochmal ein riesen Dankeschön an alle, die mich im letzten Jahr so unterstützt haben. Ich habe ein wundervolles Jahr in einer wunderschönen Stadt verbracht und das wäre ohne Hilfe nicht möglich gewesen.

Kapstadt, es war mir eine Ehre. Wir werden uns wieder sehen!

Fühlt euch wie immer geherzt,

eure Kathi


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